Ein Interview mit der Sopranistin Adina Walletin-Weisenberg:
„Das Leben bedeutet nehmen und geben. Aus dieser kontinuierlichen Bewegung entsteht die Glückseligkeit”

Petru Zoltan, 101reporteri.ro
April 15, 2016

Die Sopranistin Adina Walletin-Weisenberg gehört zu den großen Künstlerinnen, die Rumänien der ganzen Welt geschenkt hat. Sie wohnt in Berlin. Hier teilt sie ihre Zeit zwischen der Bühne und dem Opernstudio. Zu ihr kommen die SängerInnen für Oper/Operette/ Oratorien/Lied, um von ihr etwas über die Glückseligkeit zu lernen. In dem Opernstudio von Adina Walletin-Weisenberg, werden die SängerInnen psychologisch, stimmlich, ethisch, ästhetisch und seelisch auf das Wichtigste für ihr Leben vorbereitet.
„Diese solide Vorbereitung ist für die SängerInnen absolut notwendig, damit sie auf die Bühne kommend, selbst die Glückseligkeit spüren, um dann diese Glückseligkeit dem Publikum schenken zu können”, sagt Adina Walletin- Weisenberg. In Deutschland lebend, träumt Adina Walletin- Weisenbergs Seele immer noch von der Opera Nationala Iasi.

101reporteri.ro: Erzählen Sie mir bitte, wie Sie Opernsängerin und Solistin geworden sind?

Adina Walletin-Weisenberg: Schon als kleines Kind suchte ich durch die Musik zu einer bestimmten Form der Liebe und Glückseligkeit zu gelangen. Schon damals fühlte ich, dass, ein riesiger, voll Licht durchfluteter Horizont existierte, der weiter war als meine Phantasie begreifen konnte.
Ich fragte mich, wie es möglich sei, dass meine Mutter beim Hören der Arie von Madame Butterfly voll Glückseligkeit weinen konnte? Welch eine Glückseligkeit spürte sie und wieso tat diese Musik ihr wohl? Warum wirkte sie nachher so verjüngt, zufrieden und erfüllt? Jedes Mal sagte sie zu mir: „DIESE Musik ist die Liebe! Spürst Du? DAS ist der Strom der Liebe!“

Ein paar Monate vor meinem Abitur in der Musikschule für professionelle Musiker „Octav Bancila“ Iasi, wo ich das Geigen-, Klavier-Fach absolvierte, ist in mir spontan ein seelisches Bedürfnis entstanden, das Bedürfnis in die wunderbare, zauberhafte Opernwelt einzutreten. Ich hatte das große Glück, in Bukarest von der berühmten Sopranistin Magda Ianculescu trainiert zu werden und dieses besondere Training wurde mit großer Begeisterung von meiner Mutter unterstützt.
An jedem Wochenende, elf Jahre lang fuhr ich kontinuierlich mit dem Nachtzug bei Sturm, Regen oder Schnee sieben Stunden von Iasi nach Bukarest. Ich fuhr dorthin, um Glückseligkeit zu tanken.
Schon als Studentin in der Gesangsakademie Iasi durfte ich meine Prüfungen als Solistin (Bester Abschluss Rumäniens 1991) absolvieren und in der Opera Nationala Iasi als Solistin wirken. Wie bin ich Solistin geworden? Ganz einfach, durch Vorsingen, wie alle meine Kollegen auch.

101reporteri.ro: Was hat Sie veranlasst Rumänien zu verlassen?

Ursprünglich wollte ich an einem Mozart Wettbewerb in Salzburg teilnehmen, aber das Leben hat mir andere Türen geöffnet. Ich hatte die Chance, von ihm gehört zu werden und so kam ich zu der Spezialisierung mit dem berühmten Wagnerianer. Das war wiederum noch eine Glückseligkeit in meinem Leben.

101reporteri.ro: Was bedeutet Opernsängerin/Solistin zu sein und wie verläuft ein gewöhnlicher Tag bei Ihnen?

Opernsängerin zu sein bedeutet für mich, eine riesige Liebe und Verantwortung für sich selbst, für alle Wesen und für unsere Umgebungen zu haben und darüber hinaus, alles, was wir in unserer Seele tragen um es dann zum Publikum hin auszustrahlen. Wir haben die große Chance dem Publikum riesige Horizonte zu öffnen, Licht zu schenken und jeden Menschen daran zu erinnern, dass wir aus Licht ins Leben gekommen sind, dass wir Licht in uns tragen und ins Licht weiter gehen werden.

Wie verläuft mein Alltag? (A.W.W. lacht)... Ich bin sehr aktiv, ich arbeite an meiner Glückseligkeit und an der, der Anderen.... Ich übe, unterrichte, organisiere Konzerte für meine SängerInnen in Berlin, mache Einkäufe, koche, habe immer ein aufmerksames, geöffnetes Ohr für die Leidenden und finde neue Ideen, die die Glückseligkeit mitbringen. Ich liebe das Leben!

101reporteri.ro: Wann sind Sie in Deutschland sesshaft geworden und was hat Sie überzeugt weiter in dem Opernbereich zu bleiben?

Nach drei Jahren Tournee durch Frankreich, Spanien und Österreich habe ich entschieden in Deutschland sesshaft zu werden. Und wer einmal den süßen Geschmack des Opernfaches genossen hat, der kann nicht mehr anders. Liebe, Glückseligkeit und Licht können nicht unterbrochen werden.

101reporteri.ro: Wie schwer war es für Sie, als Rumänin in Deutschland zu überleben?

Jedes Land hat seine Gesetze. Zuerst muss man die Sprache des Landes beherrschen. Das ist Normalität, um eine richtige Kommunikation zu ermöglichen. Ich musste in drei Monaten die deutsche Sprache lernen, um mit den Ämtern, Agenturen und mit den Kollegen im Theater kommunizieren zu können. Dazu habe ich teilweise die deutsche Denkweise gelernt, die sehr unterschiedlich von der Unsrigen ist. Nach einem Vorsingen in Berlin, hatte ich das große Glück ins Verdi Requiem der Berliner Philharmonie engagiert zu werden. Danach sang ich mehrmals, u. a. im Konzerthaus Berlin. Dort hatte ich viele Auftritte mit meinem Kollegen, dem berühmten Tenor Daniel Magdal, den ich noch von der Schulzeit und der Gesangsakademie her kannte.

101reporteri.ro: Auf welcher Bühne haben Sie sich am wohlsten gefühlt? Was hat Sie am meisten beeindruckt? Welche Rolle gefällt Ihnen am besten?

Um ehrlich zu sein, wohin ich auch immer gehe, nehme ich alle meine Glückseligkeiten mit mir. Meine ersten Schritte in die Glückseligkeit waren in der Opera Nationala Iasi, also in meiner Heimatstadt. Welche unglaubliche Chance, die alten Dielen der Bühne zu riechen, die Details des Bühnenbildes zu streicheln und hinein zu horchen in die noch gebliebenen Stimmresonanzen der großen Sänger, in die noch vorhandene Ruhe der Kulissen nach der Vorstellung. Die Chance zu haben, die Kostüme und den Schmuck der Großen zu tragen: Adriana Severin, Mariana Cioromila, Viorica Cortez, Mioara Cortez, Nelly Miricioiu, Gina Tăbăcaru, Mura Verdeş, Camelia Sotrin-Pascu, etc. Die Chance ein Licht zu sein, ein Licht das aus dem großen Licht entstanden ist.

In Deutschland war ich sehr glücklich in der Zusammenarbeit mit dem Theater Magdeburg. Hier hatte ich wieder die Freude, mit meinem Kollegen Daniel Magdal singen zu dürfen. Meine Lieblingsrolle ist die der Aida, aus AIDA von Verdi. Die Musik ist einfach himmlisch.
Zu meiner Freude, durfte ich dem Duett vor dem 4. Akt einen anderen Sinn geben. Aida und Radames sterben nicht in Qualen, sondern genauso wie es im Text geschrieben steht, sie werden von dem Todesengel auf seinen goldenen Flügeln mitgenommen und in das Große LICHT gebracht. Nach einer Vorstellung, kamen ein paar Damen aus dem Publikum in meine Kabine und sagten strahlend zu mir: „Wir danken Ihnen für alles! Ab jetzt wissen wir von Ihrem rumänischen Gott, dass wir keine Angst vor dem Tod haben brauchen! ALLES IST LICHT!!!” Sehen Sie, damit sammle ich überall neue Glückseligkeiten.

101reporteri.ro: Zusätzlich zu der Karriere als Opernsängerin haben Sie ein Opernstudio eröffnet. Ein Studio, wo Sie die Glückseligkeit unterrichten. Wer darf zu Ihnen kommen?

Das Leben bedeutet nehmen und geben. Und die Glückseligkeit entsteht gerade aus dieser kontinuierlichen Bewegung. Ich habe in meinem Leben viel bekommen und möchte gern viel weiter geben. Es lohnt sich das Leben zu leben. Wer kommt zu mir? Die Menschen, die sich selber suchen und finden möchten, die, die gehört haben, dass die Glückseligkeit erlernbar ist. Das Alter ist nicht wichtig... wichtiger als alles, ist des Wunsches Kraft. Was singen sie bei mir? U. a. Opern-, Oratorien-, Messen- und Lied-Repertoire. Wie singen sie? MIT HINGABE (CU DARUIRE). Diese rumänischen Worte kennen alle meine SängerInnen.

101reporteri.ro: Wie schaffen Sie es Ihre SängerInnen glücklich zu machen?

(A.W.W. lacht)…Ich lebe die Glückseligkeit selbst, und erlebe immer wieder, wie Glückseligkeit sich überträgt. Positiv und flexibel denken ist eine sehr gesunde Denkweise. Die Suche nach sich selbst, die Forschung und die Erkenntnis der eigenen Persönlichkeit, das ist es was uns glücklich macht. Erkenne dich selbst. Erkenne dich selbst in dir und in den Anderen. Spüre die Glückseligkeit und strahle sie aus. Singe das Licht deiner Seele. Singe und lobe die Schöpfung!

101reporteri.ro: Was bedeutet die Glückseligkeit für Opernsänger?

In dem Fall bedeutet “Glückseligkeit“, dass sie ihr Ziel erreicht haben, jeden Abend dem Publikum etwas von ihrer eigenen Glückseligkeit zu schenken. Wie sagt man dazu? Ein Stück Himmel auf Erden.

101reporteri.ro: Welche Zukunftspläne haben Sie?

Meine Ziele erfolgreich in Erfüllung gehen zu lassen.

101reporteri.ro: Was ist der Unterschied zwischen der Deutschen Oper und der Oper Bukarest?

Ich glaube, es gibt eine andere Hierarchie und ein anderes Repertoire.

101reporteri.ro: Welche Ratschläge würden Sie den jungen Sängern geben?

Viel üben, sich mit den Biographien der älteren Sänger-Generationen zu beschäftigen, fremde Sprachen lernen, viel lesen, ein herzlicher Mensch sein, sich selbst und den anderen lieben. Leben, um eine bestimmte Form der Liebe und Glückseligkeit zu finden und zu empfinden. Leben um nehmen und geben zu dürfen und das Wichtigste: SICH INS LICHT ZU ERHEBEN...

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