Die musikalische Aktualität
Alex Vasiliu
Musikredakteur-TVR Iasi
Einer der Orte, wo man bei guter Akustik in einem angemessenen geistlichen Klima Musik hören kann, ist das Römisch-Katholische Institut für Theologie aus Iasi.
Am Donnerstag, den 29. April, gegen Abend, bin ich wieder einmal in die Kapelle gegangen vor allem darum, weil ich mir auch diesmal der Qualität der vom Deutschen Kulturzentrum organisierten Konzerte sicher war. Zum anderen ist das Orgel- und Gesangsrepertoire wegen des Fehlens dieses Instruments in den Jassyer Konzertsälen nur selten zu hören. Zudem wollte ich die angesagte Solistin wieder hören. Vor ein paar Jahren hatte sie auch bei mir einen guten Eindruck hinterlassen.
Adina Tudosa hat 1991 die Kunstuniversität „George Enescu“ absolviert unter der Leitung von Professorin Jana Maria Stoia. Bis 1994 war sie Solistin bei der Oper. Sie hatte eine schöne Mezzosopran Stimme. Ich vergesse nicht ihre besonders technisch-interpretativ gelungenen Rollen in den Vorstellungen „Cavalleria rusticana“ von Mascagni oder „Norma“ von Bellini. Das Jahr 1994 brachte einige wesentliche Änderungen im Leben der jungen Künstlerin mit sich: Eine Heirat, einen neuen Namen, die Ansiedlung in Deutschland, in Berlin, der Übergang zu einem anderen Stimmprofil, größere Ausdrucksmöglichkeiten des künstlerisch-musikalischen Talents.
Das Programm von Donnerstag umfasste Stücke mit instrumentaler Begleitung, die ausgereifte vokal-symphonische Werke darstellen, kleine Kostbarkeiten aus den universalen Schöpfungen für Orgelmusik – die meisten von Johann Sebastian Bach.
Die Sopranistin Adina Walletin-Weisenberg brachte in ihrem Gesang ihre technischen Fertigkeiten und ihr künstlerisches Gefühl zum Ausdruck: von Toneinsatz, von der Vorbereitung und aufmerksamen Führung der Stimme zur harmonischen, homogenen Emission, glänzend und warm in allen Tonlagen, die in jener reinen Tönen gipfelte, die voll von intonationaler Akkuratesse und Schönheit waren. Das waren meine Eindrücke, die ich hatte, als zum Beispiel „Panis angelicus2 von C. Frank, „Agnus Dei“ oder „Ave verum“ von W.A.Mozart hörte.
„O salutaris hostia“ von G. Rossini bot der Solistin die Gelegenheit, ihre dramatischen Akzente hervorzuheben – das Glissando und die angemessen angewandten Filagen offenbarten die Erfahrung in der Operngattung. Ich würde noch die genaue Aussprache erwähnen, die fast musikalische Ausdrucksweise des deutschen Textes, die der Sängerin ermöglichten, den ganzen musikalisch-poetischen Inhalt der im Programm eingetragenen Stücke zur Geltung zu bringen.
Damit spende ich der von der Sopranistin Adina Walletin-Weisenberg dargebotenen musikalischen Qualität meinen Beifall sowie der Initiative des Deutschen Kulturzentrums, ein so ungewöhnliches und gelungenes Konzert organisiert zu haben.
2. Mai 2018
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Eine Stimme erfüllt den Raum
Beifallsstürme in Ribbeck
RIBBECK. Eine große Stunde der Lieder und Arien erlebte die Dorfkirche zu Ribbeck am Sonntagnachmittag, als die namhafte rumänische Sopranistin Adina Wallentin-Weisenberg ihre wunderschöne Stimme erhob und von dem Kapellmeister des Magdeburger Stadt-Theaters, Jan Michael Horstmann, wundervoll einfühlsam begleitet wurde. Sie folgte dem Wunsch der Malerin Helga Funk, um zu deren Ausstellungseröffnung den musikalischen Rahmen zu geben. Aber es war viel mehr , es war ein hinreißender Nachmittag mit Liedern und Arien von Richard Strauss, Alessandro Stradella, Antonin Dvorák und Richard Wagner.
Wagners Lieder zu Goethes Faust
Richard Wagner, der die romantische Musik zu ihrem Höhepunkt entwickelt hat und bis heute mit seinen Opern gefeiert wird, schrieb sieben Liedkompositionen zu Goethes Faust, fünf Gedichte für eine Frauenstimme und die berühmten „Wesendonck-Lieder“. Von denen sang Adina Walletin-Weisenberg „Der Engel“, „Träume“ und „Sag, welche wunderbaren Träume halten meine Seele umfangen“ mit großartigem Ausdruck.
Dramatisch gesteigert
Über Richard Strauss schrieb Claude Debussy einst: „Er hat gelernt, dass die Musik nicht nur ... unsere Nächte erhellen solle, sondern dass sie wie die Sonne sein müsse“. Und so ließ Adina Walletin-Weisenberg gestern auch mit „Der Morgen“ die Sonne über Ribbeck aufgehen und mit „Ruhe meine Seele“, das sich dramatisch steigert und mit dem Appell „Vergiss, was Dich bedroht“ wieder in Ruhe endet, denn „nicht ein Lüftchen regt sich leise“.
Wunderbarer Liedbegleiter
Die rumänische Sopranistin, die auch ein Diplom für Violine und Klavier besitzt, schloss ihre Studien im Heimatland mit dem Diplom als Opernsolistin ab und setzte ihre Studien in Salzburg und Straßburg fort. Viele Konzertreisen, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen führten die heute in Berlin lebende Sängerin in viele Länder. In ihrem Partner Jan Michael Horstmann hat sie einen wunderbaren Liedbegleiter gefunden, der mit gleichem Atem und Herzschlag kongenial mit ihr und für sie zu spielen scheint.
Im ersten Teil des Ribbecker Konzerts waren eher geistliche Lieder zu hören wie Stradellas große Arie „Pieta Signore“, Gabriel Faurés „Pié Jesu“ und Dvoráks „Gott ist mein Hirte“, die die überwältigende Anzahl der Zuhörer aber nicht weniger begeisterten.
Mit dem bekannten „In mir klingt ein Lied, ein kleines Lied“, vertont von Frédéric Chopin erreichte die charmante, bezaubernde Sängerin schließlich Beifallsstürme, die auch nicht enden wollten, nachdem das letzte Lied aus Richard Strauss’ „Vier letzten Liedern“, nämlich die Vertonung des Eichendorff-Gedichtes „Im Abendrot“ nicht nur im Liedschaffen von Strauss, sondern auch im Ribbecker Konzert seinen unvergleichlichen Abschluss fand.
ik
Quelle: Märkische Allgemeine, 20.08.2001